Über die Kategorie Smart Metering

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#1

Intelligenter Zähler heute noch als stomzähler bekannt werden sich diese Messgeräte in alle Bereiche der Versorgung verbreiten. Wasserzähler, Gaszähler, Heizölstände so wie Wärmenutzung bei Zentralheizungen.

Die Technologie wird weg von GSM hin zu LoRaWAN Netzwerken gehen, die Sensoren können günstiger produziert werden, es können zusätzliche Daten erfasst werden wie z.B.: die Messdaten von Heizungsanlagen, heute müssen diese Daten noch einmal im Jahr vom Schornsteinfeger gemessen werden, in naher Zukunft werden die Heizungen sich selbst überwachen und frühzeitig Veränderungen erkennen.

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#2

Mojn Nordlicht,

Deinen Optimismus in allen Ehren, und ich will hier ganz bestimmt nicht die Spaßbremse geben, aber ich beschäfftige mich seit 5 Jahren beruflich full Time mit Smart Metering.

Aktuell hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationsverarbeitung hohe Hürden für schmalbandige Kommunikation wie LoRa aufgebaut.
In der Technischen Richtline TR 03109 wurden Anforderungen an diese Kommunikation definiert, in der es jeweils ein Zertifikatstripple zur Datenübertragung braucht.
Die Daten müssen TLS-verschlüsselt werden, der verschlüsselte Hash muss mit einem weiteren Zertifikat signiert werden und der signierte Hash dann in einem TLS-Kanal (ja, das
dritte Zertifikat) übertragen werden.

Die Nutzdaten, reine Rohdaten, sind noch LoRa-kompatibel, mit dem BSI-Overhead kann man das abhaken.

Gut, das Ganze gilt aktuell nur für Strom, GAS soll jetzt als nächstes kommen.

Aber Ernst & Yong, ein Beratungshaus welches im Auftrag des BmWI den MArkt beobachtet wird im Barometerbericht der Ende dieses Jahres erscheinen wird darauf verweisen, das die Zählerwelt jenseits von Strom und Gas das Ganze bisher erfolgreich ignoriert hat. Schauen wir mal wie das BmWI/ BSI darauf reagiert.

Ich bin zu LoRa gekommen, da jetzt im Submetering angefangen wird, im Haus die Daten per Funk (LoRa oder wMBus) einzusammeln und dann jedoch über das Smart Meter Gateway
aus dem Haus raus zu senden. Diese Option scheint zur Zeit vom BSI akzeptiert zu werden.

Wie gesagt, noch - schauen wir mal.

Archer

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#3

Moin Archer,

Ich freue mich, dass hier ein Smart Metering -Experte mitliest.

Hatte mich vor Jahren auch mal intensiv mit der damals langsam aufkeimenden Technik in Verbindung mit SmartHome beschäftigt. Damals gab es den Verdacht, dass der Energieversorger auf Basis der übermittelten (nicht anonymisierten) Daten mitlesen konnte, wann die Hausbewohner nachts auf Toilette gehen und wann der Fernseher läuft und welches Programm geschaut wird (auf Basis der charakteristischen und unverwechselbaren Merkmale jedes einzelnen elektrischen Gerätes).

Hat sich auf dem Gebiet eigentlich eine verbraucherfreundlichere Lösung ergeben ?

Gruß Loobster

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#4

Tja BSI Entscheidungen sind skurril, Plaste Router erlauben und hier die Anforderungen ins extreme erhöhen ist völlig Unsinnig.

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#5

https://www.bsi.bund.de/DE/Publikationen/TechnischeRichtlinien/tr03109/index_htm.html hier mal die Richtlinie die erwähnt wurde

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#6

Mojn,

@Loobster:

Hat sich auf dem Gebiet eigentlich eine verbraucherfreundlichere Lösung ergeben ?

EIn klares und eindeutiges Jein.
Das BmWi plant ja nun weitere Medien an das Smart Meter Gateway (SMGW) anzubinden. Werden hier ebenfalls kurze Datenintervalle gefordert kann genau das passieren. Kritisch ist hier jedoch weniger der Stromzähler. Durch die vielen Geräte im Standby und den geringen Leistungsbedarf der LED-Beleuchtung wirst Du mit einem normalen Smart Meter keine Rückschlüsse ziehen können. Dazu kommt die aktuell gesetzlich vorgeschriebene Messperiode von 15 Minuten. Das bedeutet, Du bekommst einen Summenwert für die Dauer von 15 Minuten.

Es gibt aber inzwischen Projekte im Umfeld NILM - Non Intrussion Load Management. Die Zähler haben 8 kHz Auflösung. Die liefern 8 Werte mit einer Auflösung von 1000 Messungen je Sekunde. Damit kannste prima in die Disaggregation der Verbrauchskurve einsteigen und erhältst dann auch die gewünschten Aussagen. Aber, 8 KHz überträgt man nicht mehr über die Kommunikationsanbindung des SMGW’s.

Spannender wird es, wenn man den Wasserzähler der Wohnung in einem kleinen Zeitintervall überwacht. Wasserhahn auf/ zu wird dort 1:1 sichtbar.

So, nun kommen wir mal zu den interessanten Themen aus SIcht IoT/ Smart irgendwas.

Dafür hat der Gesetzgeber vorgegeben, das die SMGW offen für weitere Anwendungen sein sollen. Dazu gibt es so genannte CLS-Geräte (Controllable Local Systems). Das SMGW baut bei Bedarf einen transparenten TLS-Kanal zwischen den CLS-Geräten und dem sogenannten externen Marktteilnehmer (EMT) auf. Dabei gehen die Daten nicht über den Energieversorger sondern direkt zum EMT. EMT darf jeder werden, die die Anforderungen dazu erfüllt und ein berechtigtes Interesse zur Kommunikation über das SMGW nachweisen kann (idR. Veträge mit dem Kunden)

Durch die SMGW werden im Rahmen des Pflichteinbaus bei ca. 15% der Deutschen Stromkunden (alle mit mehr als 6000 kWh/p.a.) SMGW eingebaut und damit nach den Vorgaben des BSI hochabgesicherte Kommunikationszugänge eingebaut. Das sollte man dann auch nutzen.

Die Linie des BSI geht in die Richtung, das alle personenbezogenen Daten perspektivisch auf diese Schnittstelle gehen sollen.

@DasNordlicht Um das Chaos zu komplettieren gibt es dazu noch Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende und zum Zertifikatsmanagement in dem Wahnsinn die Certificate Policy der Smart Meter Public Key Infrastructure

Da steht auch noch viel drin was uns richtig Spaß gemacht hat :weary:

Archer

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#7

Archer,

danke für die Infos.

Zum Thema PKI. Bei der Certificate Policy der SmartMeter PKI haben sich aber Leute beim BSI richtig ausgetobt. Da waren sicher auch ein paar externe Berater dabei, eventuell auch von Secorvo ?

Das ganze Gebilde, was da beschrieben ( und vorgeschrieben ) wird, ist vermutlich sehr schwer zu handeln. Habe selber schon mal eine Unternehmens-PKI aufgebaut und weiß, was da für Fallstricke lauern.

Gibt es schon eine Firma, die im Sinne dieser Certificate Policy eine Root-CA aufgesetzt hat ?

Gruß Heiner

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#8

Dein (ehemaliger?) AG hat sich da hervorgetan. Die Telesec ist vom BSI mit dem Betrieb der RootCA beauftragt worden.

Berater, ich weiß das die P3 Group sehr aktiv war. Ansonsten für das GDEW Ernst & Yong.
Aber das ist sicher nur die Spitze des Eisberges.

A.

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#9

Archer,

da verwechselst Du mich. Ich war beruflich bei einer Versicherung.

Gruß Loobster

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#10

Yep erfolgreich mit Frank verwechselt!

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#11


So sieht aktuell das Big Picture des BSI aus.

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#12

Ach übrigens, wen es interessiert, der Startschuss für den Rollout der Smart Meter in Deutschland ist gefallen. Das erste BSI-zertifizierte Smart Meter Gateway ist da.

Das bedeutet zwar noch nicht, das die Messstellebetreiber jetzt verpflichtet sind, die Geräte zu verbauen. Das geschieht erst, wenn das BSI mittels Markterklärung erklärt das es von drei Herstellern BSI-zertifizierte Geräte gibt. Das hat das BSI für Februar 2019 angekündigt - also gemäß der Zeitrechnung des Smart Meterings in Deutschland eigentlich nachher… :wink:

Das spannende daran ist, das das BSI definiert hat, das sobald der Stromzähler an einem Smart Meter Gateway hängt es keine anderen Kommunikationswege außer der manuellen Ablesung vor Ort geben darf.

Auch einer Datenübertragung von Zählern, die nicht an einem SMGW hängen (moderne Messeinrichtung) steht das BSI kritisch gegenüber, sofern die Kommunikation darauf angelegt ist die Liegenschaft zu verlassen. Bluetooth ist demnach ok, LoRa wird eher spannend wie sich das BSI final dazu positionieren wird. :frowning:

Archer

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#13

Verstehe ich das richtig?
Ein Stromzähler darf nicht fern ausgelesen werden wenn er die Möglichkeiten dazu bekommt?
Ist nun nicht wirklich smart, oder?

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#14

Fast. Der Zähler muss sogar fernausgelesen werden, sobald der Letztverbraucher (noch so eine schöne neue Wortschöpfung) im Dreijahresdurchschnitt über 6.000 kWh verbraucht.

Das BSI hat nur für diesen Fall definiert, das die Kommunikation nach Außen verbindlich über das BSI-zertifizierte Smart Meter Gateway laufen muss. Bei diese WAN-Kommunikation wieder die Rohdaten verschlüsselt, der verschlüsselte Hast signiert und das Ganze in einem, mit einem dritten Zertifikat abgesicherten TLS-Kanal übertragen. Während die Rohdaten noch LoRa-Kompatibel wären sprengt der BSI-Overhead die Leistungsfähigkeit.

Archer

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#15

Ach so, entweder via Gateway oder manuell auslesen, außer ein Verbrauch über 6000kWh dann nur via Gateway auslesen.

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Thema aufgeteilt, #16

Ein Beitrag wurde in ein neues Thema verschoben: Smart Metering mit dem Volkszähler

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